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Sonntag, 26. April 2015

Vom Opfer zum Täter und zurück

Wir leben leider wieder in Zeiten der Verführung. Verführung, die auf Entfremdung basiert. Karl Marx argumentierte ausgehend von Hegel, dass sich der Mensch im Angesicht der ausschliesslichen Profitorientierung von seinem Produkt wie auch von sich selbst entfremdet. Wer sich von sich selbst entfremdet, entfremdet sich auch von seinen Mitmenschen, möchte ich ergänzen. Die Folge davon ist die Vereinsamung und damit Einhergehend die Desorientierung. Desorientierung und die Unmöglichkeit der Reflektion und der Selbstreflektion ist der Boden auf dem Verschwörungstheorien wachsen. Und die Verführung, resp. die Manipulation. Wie sehr dafür (wieder) empfänglich geworden sind, ist in diesem Video von ZDF_NEO nachzuvollziehen. Es zeichnet einen Workshop zum Thema Rassismus und dessen Mechanismen nach. 

Ich weise darauf hin, dass man sich bei aller Abgeklärtheit kaum dem Sog dieser Bilder entziehen kann. Sie zeigen Realität fern jeder Fiktion. Wer nicht ganz abgestumpft ist, wird davon einen tagelangen nachhall mit sich tragen. Das ist was ich beabsichtige und dieses Werk mit meinen LeserInnen teile.


In diesem Zusammenhang sollte man sich auch einige Gedanken zu Leadership machen. Was macht einen Leader zum Leader? Wir funktionieren die Massen? Wie wird Masse kreiert und wie wird sie verführt. Hier eine andere interessante Stilstudie dazu:


How to REALLY get the party started #Lead #Follow #Repeat
Posted by Koyote on Sonntag, 28. Dezember 2014



Mittwoch, 8. April 2015

Der Banker - Master of the Universe

Rainer Voss war einer der führenden Investmentbanker in Deutschland. Er machte Gewinne in Millionenhöhe. Jetzt sitzt er in einer verlassenen Bank mitten in Frankfurt und redet zum ersten Mal. Öffentlich und ungeschminkt gibt er einen Einblick in die Denkweise und Mechanismen eines sorgfältig abgeschotteten Systems. Vor dem Zuschauer baut sich Stück für Stück die beängstigende Innenperspektive einer größenwahnsinnigen, quasi-religiösen Parallelwelt hinter verspiegelten Fassaden auf. Rainer Voss berichtet von seinem eigenen Aufstieg in den 1980er-Jahren, zeitgleich mit den Banken. Bis auch ihn die Krise traf. Er wurde entlassen.

Hier kann man lernen, warum es 2008 zum Kollaps kam und warum es uns bis heute, 2015, immer schlechter geht. Man mag es Kapitalismus nennen, es ist aber ein Finanzsystem, das darauf basiert, dass man mit viel Geld sehr viel Geld verdienen kann. War das die Idee des Bankenwesens?


Der Film wird noch bis April 2015 angeboten: Hier geht es zur Streaming-Plattform vom Hessischen Rundfunk.


Nachtrag vom 9. April 2015: Leider hat die ARD den Film schon aus dem Angebot genommen. Das ist sehr bedauerlich. Ich recherchiere, wo man den Film noch zu sehen oder zu kaufen bekommt.

Nun ist der Film auf Youtube zu finden.

Montag, 16. März 2015

Man in the Machine

Was ich eigentlich nicht beabsichtige, ist hier Filme vorzustellen, die noch gar nicht im Kino sind, schon gar nicht bei uns in der Schweiz. Doch heute will ich eine Ausnahme machen.

Da kommt ein Dokumentarfilm über Steve Jobs: Man in the Machine  auf uns zu, der seit zwei Tagen offensichtlich zu reden gibt. The Hollywood Reporter berichtet von fünf Schlüsselstellen im Film von Oscar-Gewinner Alex Gibney, der offenbar keine Rücksicht auf Verluste nimmt und ein Portrait eines Mannes abliefert, der nahezu Popstar-Dimensionen erreicht hatte, obwohl er doch "nur" Computer baute.


Wir sehen hier einen kurzen Ausschnitt aus dem Film von Gibney mit Bob Belleville, Director of Engineering beim Macintosh von 1982 to 1985.  


Auch Variety berichtet vom ersten Screening und nennt das Biopic als zu tiefst kritisch. The Guardian meldet den Film als "Steve Jobs - seine saure Seite" an. Im Daily Beast wird der Film gar als Anti-Steve-Jobs-Film bezeichnet.


Alex Gibney ist ein Produzent und Filmemacher bekannt für Enron: The Smartest Guys in the Room (2005), Taxi to the Dark Side (2007) und Mea Maxima Culpa: Stille im Haus des Herrn (2012).


Man in the Machine wurde von CNN produziert und soll erst nächste Jahr ausgestrahlt werden. Falls eine Verleiher gefunden wird, rechnet man damit, dass er im Herbst in den USA in die Kinos kommt.


P.S. Mein Interesse an Steve Jobs ist evident. Ich war von 1984 bis 1993 Apple Wiederverkäufer in der Schweiz. Irgendwann Ende der 70er Jahre las ich das erste Mal von Jobs und Wozniak. Es gab einen Artikel im TELL, ein links-revolutionäres Szeneblatt der 70er Jahre, das von den beiden berichtete. Hauptsächlich ging es damals um die Bluebox, mit der man quasi das Telefonsystem knacken und so gratis telefonieren konnte. "Personal Computer" war damals noch kein Begriff. Da ich zu dieser Zeit das Technikum besuchte und mich auch mit Computer und Programmierung beschäftige und im Rest meiner Zeit politisch überengagiert war, beeindruckten mich die beiden Hippies sofort und ich heftete mich an deren Fersen...


P.P.S. Zu Bob Belleville gibt es diese Story:
And Then He Discovered Loops!

Author:Andy Hertzfeld
Date:April 1982
Characters:Bob Belleville, Rich Williams
Topics:Software Design, Management
Summary:Bob has written many lines of code
Bob Belleville in 1983
We interviewed quite a few candidates to replace Bud as the software manager before encountering Bob Belleville, who was one of the main hardware designers of the Xerox Star, the first commercial computer with a graphical user interface. He was intelligent and soft-spoken, and dryly skeptical about human nature. One of his many aphorisms was "The Law of Conservation of Misery" (no matter what course of action is taken, the total human misery in any given situation is maintained), which seemed particularly applicable to large computer companies.


Bob's background looked to be a lot stronger in hardware than software, so we were somewhat skeptical about his software expertise, but he claimed to be equally adept at both. His latest project was a rebellious, skunk-works type effort to make a low cost version of the Star called "Cub" that used an ordinary Intel microprocessor (the 8086), which was heresy to the PARC orthodoxy, who felt that you needed custom, bit-slice processors to get sufficient performance for a Star-type machine. Bob had written much of the software for Cub himself.

"I've got lots of software experience", he declared, "in fact I've personally written over 350,000 lines of code."

I thought that was pretty impressive, although I wondered how it was calculated. I couldn't begin to honestly estimate how much code I have written, since there are too many different ways to construe things.

That evening, I went out to dinner with my friend Rich Williams, who started at Apple around the same time that I did. Rich had a great sense of humor. I told him about the interview that I did in the afternoon, and how Bob Belleville claimed to have written over 350,000 lines of code.

"Well, I bet he did", said Rich, "but then he discovered loops!"

Quelle: CC: http://www.folklore.org/StoryView.py?project=Macintosh&story=Discovered_Loops.txt&sortOrder=Sort+by+Date&characters=Bob+Belleville - Abgerufen am 16.3.2015


Freitag, 13. März 2015

Citizenfour

Habe Citizenfour gesehen. Da bekommt man ohne entsprechende Vorwarnungen die geballte Ladung missbrauchter Staatsmacht auf den Kopf gehauen. Was da im Namen - von wem eigentlich? - getrieben wird, spottet jeder Beschreibung. 

Uns ist mit dem Internet wohl die grösste Freiheit der Menschheitsgeschichte entstanden. Nun hat das Web ein Monster geboren. Das Monster muss "Demokratiekiller" genannt werden. Von sich anmassenden Beamten gezüchtet und zur vollen Blüte gebracht und von überforderten Politikern gehätschelt und alimentiert.

Kommt im Film nie vor, aber er dirigiert als Direktor der NSA die Globalüberwachung: James R. Clapper

Wenn wir dieser Tatsache und jeder weiteren Entwicklung nicht radikal Einhalt gebieten, wird das Internet zum Gefängnisvorhof von Jedermann, nicht nur von Edward "Citizenfour" Snowden.


Der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm von Laura Pointras über Edward Snowdon und Glen Greenwald  erzählt in dichten und exklusiven Bildern den ganzen Prozess der Aufdeckung des NSA-Skandals. Man kann sich nun vorstellen, welche Risiken Snowdon eingegangen ist und wie er unter einer permanenten Anspannung stand und vermutlich immer noch steht. Wer auf solche Weise die noch nicht gesühnten Verbrechen aufdeckt, muss wohl mit dem Schlimmsten rechnen. Nur die Geschichte wird ihm wohl recht geben.

Dieser Film muss Pflichtstoff für jede und jeden sein, dem die Freiheit und Verantwortung am Herzen liegt. Und vor allem all jener, die in ihrem Land dafür sorgen wollen, dass die Nachrichtendienste in ihren Möglichkeiten eingeschränkt werden. So muss zum Beispiel die erneute Revision des BÜPFs in der Schweiz mit allen demokratischen Mitteln bekämpft und verhindert werden. Keine weiteren Budgeterhöhungen für Nachrichtendienste mehr, muss die Losung heissen.


Um es klar zu machen. Ich bin nicht gegen den Kampf der Feinde der Demokratie und ich erwarte auch, dass Verbrechen in all seinen Formen verhindert oder geahndet werden sollen. Aber nicht für den Preis, den die NSA vorgegeben hat. So etwas können wir uns nicht leisten.

Und noch etwas direkt an Edward Snowden gerichtet:

Ob Sie in der aktuellen Schweiz wirklich gut aufgehoben wären, müssen Sie sich schon gut überlegen. In unserem Land herrscht Xenophobie und auf unsere Behörden ist nicht auf jeden Fall Verlass, zumal sich die Behörden unter Druck einer rechtsextremen Partei gesetzt sehen. Würde Sie diese Partei mit offenen Armen empfangen, sähe ich Sie unter bestem Schutz. Ich befürchte aber, dass Sie mit dem was Sie getan haben, nicht dem Idealtypus dieser Partei entsprechen.