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Montag, 2. März 2015

American Sniper

Wenn der Republikaner Clint Eastwood einen Kriegsfilm dreht und ihn American Sniper, mit Bradley Cooper in der Hauptrolle, nennt, dann geht man da mit den Vorurteilen "Heldenepos" und "Patriotische Elogie" ins Kino. Und man wird nicht eines anderen belehrt. Leider, denn Eastwood hat schon einen eindeutigen Anti-Kriegsfilm abgeliefert: Flags from our Fathers.

Allerdings, in American Sniper ist der Held nicht einfach ein Held, sondern ein Mensch, eine Rolle an der man sich reiben kann. Das Primat der Gewalt ist beim demokratischen Staat. Dieser Staat aber delegiert den Vollzug seiner Gewalttätigkeit an Menschen und die tun dann ihren Job. Dabei frägt der Staat nicht, und erprüft nicht, und wägt nicht ab, was mit solchen Menschen dann wirklich geschieht. In solchen Filmen stehen die Täter, die in der Folge auch Opfer sind, immer alleine da. Daraus besteht der Hauptkonflikt solcher Movies.

Eastwood's Sniper geht dreimal in den Irak und killt dort auf Distanz 160 Menschen, von denen wir die Gründe, warum sie vor den Lauf des staatlich lizenzierten Killers geraten, nichts erfahren. Es ist ja auch Krieg und im Krieg gibt es Opfer. Opfer, die uns nicht zu interessieren haben. Denn nur ein toter Terrorist ist ein guter Terrorist. Mehr gibt es zu ihm und seinen Umständen nicht zu sagen.

Eastwood ist ein Meister seiner Kunst und darum gibt es in diesem Film auch meisterhafte Wendungen und eine meisterhafte Inszenierung. Er organisierte einen beängstigenden Symbol schwangeren Wüstensturm, in dem sich die amerikanischen Soldaten verirren und jede Orientierung verlieren. Damit bricht Eastwood die patriotische Attitüde, die an dieser wahren Geschichte anhaftet. Wüstensturm ist die totale Desorientierung, die naturgegebene Sinnlosigkeit, die zerstörende Kraft durch Milliarden von Sandkörner die in Schallgeschwindigkeit durch die Luft jagen. Der Wüstensturm macht den Film American Sniper zum Anti-Kriegsfilm.


Kriegsfilmen gebe ich aus Prinzip nicht mehr als drei Letterboxd-Sterne, diese aber hat dieser Film verdient, sowieso mit dem Komödianten Cooper in einer gewandelten Rolle. Und meine Vorurteile habe ich auch etwas relativiert.

Freitag, 16. Januar 2015

The Imitation Game

The Imitation Game ist in kleiner, britischer Film mit einem geschätzten Budget von 14 Mio.$, das bereits am Eröffnungswochenende in den USA alleine zur Hälfte wieder eingespielt wurde. Weltweit spielte der Film bis am 10 Januar 66.5 Mio. ein. Mehr als 50 Mio. davon in den USA. Ein Phänomen also.

Doch der Film verdient diesen Zuspruch. Es ist ein unprätentiöses Bio-Pic über Alen Turing, einen frühen Computerwissenschaftler, gespielt vom formidablen Benedict Cumberpatch, den man hierzulande als Sherlock-Holmes-Darsteller kennt.

Die Geschichte schildert einerseits die Bemühungen der Engländer während des 2. Weltkrieges den als unknackbar geltenden Code der Deutschen namens "Enigma" zu knacken und andererseits die Konflikte des schwulen Turing in einer knochenharten britischen, militärischen Gesellschaft, die Männersex weder duldete noch darüber sprach.
Um die Leiden Turings nachvollziehbar zu machen, liessen sich die Filmemacher etwas ganz Spezielles einfallen. Sie stellten Cumberpatch die betörende Keira Knightley gegenüber, die sich in ihn verliebte, aber irgendwie er sich auch in sie. Erst im Ansatz des Vollzugs der Ehe gestand der Frischverheiratete seiner Angetrauten, dass da nichts bei ihm lief und laufen könne. Trotzdem hält sie zu ihm und schützt ihn vor der Gesellschaft so gut sie halt kann. Der Code wird selbstverständlich gehackt und damit der Krieg vermutlich verkürzt. Weitere Opfer konnten vermieden werden. Turing selber fand keinen Frieden. Neun Jahre nach Kriegsende und einer Verurteilung wegen Perversion, fand man ihn tot am Boden liegen. Neben ihm einen mit Cyanid vergifteten, halb gegessenen Apfel.

Mein LetterboxD-Rating: 4-Sterne und ein Like.

Dienstag, 5. August 2014

Flags from our Fathers

Der von Clint Eastwood und Steven Spielberg produzierte Anti-Kriegsfilm zeigt die Verlogenheit der Mächtigen, die Sinnlosigkeit des Krieges und die Unentrinnbarkeit der betroffenen Menschen schonungslos.

Flags of our Father erzählt die Geschichte der sechs Männer, die auf dem Bild abgebildet sind, das zur Ikonografie der USA gehört.

Eastwood, der neben der Regie auch für die Musik verantwortlich in diesem Film zeichnet, versteht es in eindringlichen Bildern und einer schier unerträglichen Geschichte die Hilflosigkeit ganz normaler Männer darzustellen. Männer, denen es nicht zumute ist als Helden gefeiert zu werden. Männer, die nach geschlagener Schlacht von der Politik dazu missbraucht werden, für Kriegsanleihen bei der Bevölkerung zu werben, um diesen elenden Krieg zu verlängern. Nachdem sie dem Morden entkommen sind, werden sie auf die Schlachtbank der sensationsgierigen Meute geführt. Das persönliche Schicksal wird dabei erstickt und die geschundenen Seelen zum Lachen gezwungen. Alles auf Befehl und alles ohne jede Rechtfertigung.

Ein wahrhafter Film von einem Eastwood, der sich nicht immer von der gerechten Seite und der richtigen Sache zeigt. Vielleicht muss man einen der ersten Sätze im Film auf ihn beziehen: oft sind die Menschen nicht das wofür man sie hält.

Ich gebe dem Film 4-Sterne.