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Dienstag, 3. November 2015

Heimatschottland Heimatland

Heimatschottland war zu meiner Kinderzeit ein Ersatzfluch für Heilanddonner. Was man nicht in Anwesenheit Erwachsener sagen durfte. Von Erwachsenen habe ich es aber gelernt. Genauso wie heute die Jungen von Erwachsenen lernen über Ausländer zu fluchen oder sie gar zu hassen. 30% der Schweizer BürgerInnen haben diesen Herbst der Hasslinie der SVP zugestimmt, weil wir ein "Asylchaos" haben sollen.

Als ich ein Jugendlicher war, gingen wir auf die Strasse und demonstrierten gegen den Vietnam-Krieg, gegen den Militär-Umsturz in Chile. Wir waren Friedenstauben und lebten in Friede, Freude, Eierkuchen. Im Schweizer Film "Heimatland" ist keine Rede davon. Hier geht es in einer Parabel zur Sache. Nämlich der Analyse des Zustandes einer desorientierten Schweizer Bevölkerung, die sich von einer zahlungskräftigen Minderheit von 10% der stimmberechtigen Bevölkerung ins Boxhorn jagen lässt. Vor unserer Haustüre tobt seit vier Jahren ein Bürgerkrieg mit Millionen von vertriebenen Menschen, die sich diesen Herbst losgemacht haben aus ihren elenden Zeltstädten und sich auf den Weg nach Europa begaben. Wie eine Wolke treiben sie nach Mitteleuropa. Unheilsschwanger, alles bedrohend. So wird es im Film symbolisch dargestellt. Die beiden Jungregiesseure haben vor vier Jahren mit der Idee zu diesem Film begonnen. Da haben sie noch nicht wissen können, was wirklich auf Europa zukommen wird. Was sie wussten war, dass eine extremistische Politsekte das Schweizer Volk unablässig aufhetzt gegen andere Minderheiten, faschistoide Wahlkämpfe führt und so Schritt für Schritt die politische Agenda beherrscht, die jenseits der Wirklichkeit Themen setzt. Sinnlose, nur dem Zweck des unablässigen Machtaufbaus der Milliärdäre und Multimillionäre dienend. Im Herbst 2015 ist die Drohkulisse über dem Land Schweiz keine Fiktion mehr. Die Realität hat sie eingeholt. Soviel Fantasie hatten die 10 Filmemacher nicht, um nun eine Dystopie vorzulegen. Sie dokumentierten Realität. Ungewollt, aber mit zwingender Logik.

10 junge Filmautoren und -regiesseure haben gemeinsam einen dichten, manchmal schier unerträglich dichten Film produziert, dem jede Heiterkeit abgeht. Das sei schon verraten. Dort wo Hollywood etwa nach zwei Drittel des Filmes einen Höllenspektakel, generiert mittels Grafikcomputern, der uns seelische Erleichterung gebracht hätte, weil ja bei Hollywood die Guten in solchen Szenerien überleben, treibt Heimatland unbeirrt den Horror weiter. Und die "Guten" überleben es nicht, nur die "Zweitguten" entkommen dem, was in unseren Hirnen und Seelen schon längstens zum desaströsesten Sturm den wir je gesehen und überlebt haben. Auch das sei verraten. Ein richtig guter Kinofilm. Er sei hiermit dringend empfohlen.

Fazit: Unbedingt im Kino mit anderen Schweizern ansehen! Ich habe es auch getan und zwar mit Neo-Nationalrat Erich Hess und dem Ungewählten Thomas Fuchs. Sie haben es überlebt, ich habe sie überlebt.
Und: unbedingt die Karriere der Macher weiterverfolgen. Da sind Hochtalente am Werk gewesen. Und: nach dem Film sich sagen: Heilanddonner Schweiz, so kann es nicht weitergehen!

Sonntag, 26. April 2015

Jeremiah Johnson


Heute Abend zeigte ARTE Jeremiah Johnson von Sidney Pollak und Robert Redford in der Hauptrolle als Jeremiah, einem Mountain Man in den Rocky Mountains. Der Film aus dem Jahr 1972 erzählt die Geschichte eines Aussteigers, der sein Glück in der Verlassenheit der Berge sucht. Als blutiger Anfänger als Trapper durchläuft er alle Stufen der Entbehrungen und Irrtümer bis er einem alten Trapper begegnet, der ihn in die Geheimisse der Natur und jener der Crow-Indianer einführt. Erst nimmt er einen verwaisten Jungen auf und heiratet dann eine Crow. Gemeinsam bauen sie sich ihre Blockhaus und organisieren ihr Leben in völliger Autarkie. Alles geht gut, bis eine Armeeeinheit seine Hilfe in Anspruch nimmt. Dann läuft das Leben aus dem Ruder.



Dieser Film war damals wichtig für mich, führte er doch mein Lebensgefühl aus Zeiten von Karl May und dessen Winnetou und Old Shatterhand weiter. Robert Redford wurde zu meinem bevorzugten Schauspieler.
Es war die Hochblüte meiner Pfadfinder-Zeit. Die USA und die Geschichte der Indianer beschäftigten mich in meiner Jugend intensiv. Der Film versetzte mich in die Lage, meine Sehnsüchte Teil dieses Lebens zu sein, auszuleben. Der Soundtrack eröffnete mir die Welt der Singer-Songwirter-Country-Music bis zum heutigen Tag.

Für die Qualität des Films und seine damit für mich verbundenen Emotionen gebe ich dem Film 4-Sterne und ein Like bei Letterboxd.com.

Dienstag, 7. April 2015

Før snøen faller - Before Snowfall - Der Junge Siyar

Eine kurdisch-norwegische-deutsche Produktion über den Jungen Siyar, der sich auf gefährliche Europadurchquerung von Kurdistan bis Oslo begibt, um seine Schwester zu töten. Die Schwester besudelte die Familienehre, weil sie kurz vor ihrer vermittelten Hochzeit mit ihrem wirklichen Liebhaber durchbrannte. Bis nach Oslo, wo sie sich vor den Häschern, ausgesendet wegen einer mittelalterlichen Tradition, sicher fühlen sollte.

Für Siyar ist das Unterfangen eine Odysee, die ihn auf halben Weg schwimmend in einem Oeltankwagen nach Istanbul führt, wo er auf Evin trifft. Sie führt ihn in ein urbanes türkisches Leben ein, klaut ihm zuerst das Portemonnai und dann ganz sanft seine Seele. Gemeinsam machen sie sich auf und gelangen mit der Hilfe von Freunden aus dem kurdischen Dorf und finden dank professioneller Schlepper auf europäischen Boden. Nicht ohne mit diesen in Zwist zu geraten.

Via Berlin, wo Evin noch ihren Vater trifft und lernen muss, dass sie das Resultat eines Techtelmechtels zweier Freiheitskämpfer war und dass sie keine Familie hat, deren Ehre jemand verteidigen will. Irgendwann kommen sie in Oslo an und finden auch bald die Schwester von Siyar.

Der Film ist sehenswert und ertragenswert. Gradlinig und ehrlich erzählt wie damals der neorealistische italienische Film. Zwar sehen wir viel heruntergekommene Stadtteile oder unterentwickelte Gegenden in der Türkei und Kurdistan. Nie aber ist der Film voyeuristisch, nie ist er moralisch. Er beschreibt, klagt nicht an, beschönigt nichts und suhlt sich nicht im Elend. Als Mitteleuropäer sitze ich da und verstehe wenig von den Motiven des Siyars. Man mag sie einfach nicht glauben, nimmt sie einfach hin.

Ich gebe dem Der Junge Siyar, resp. Før snøen faller bei LetterboxD unter dem Titel Before Snowfall vier Sterne und ein Like.

Sonntag, 8. März 2015

Sling Blade

Eine dichte Sozialstudie über den geistig behinderten Karl, der als Jüngling seine Mutter und deren Liebhaber mit einer Sichel (Sling Blade) umbrachte. Ein fataler Irrtum, wie er dann später in der psychiatrischen Klinik lernte. Viele Jahre später wurde er aus der Klink als "geheilt" entlassen, um ein "normales bürgerliches" Leben zu führen. Das liess sich auch gut an, obwohl der völligen Unterstützung beraubt und überhaupt nicht auf ein Leben da draussen vorbereitet. Und es kommt wie es kommen muss. Er gerät wieder in eine kleinkarierte und komplett vermiefte Lage und die Geschichte entwickelt sich zu einem unentrinnbaren Sog.

1995 schrieb, drehte und spielte Billy Bob Thornton diesen langsamen, eindringlichen Film. Mit 860'000 $ verbrauchte Thornton ein "Schweizer Budget" und erntete bis 1997 24.5 Mio. $ alleine in den USA. Nun wird der Film über die digitalen Kanäle neu aufgelegt.

Der Film hat nichts an Aktualität verloren. Das Problem der sozialen Verwahrlosung der Unterschicht ist nicht ausgeräumt. Im Gegenteil. Austeritätspolitiken in den westlichen Gesellschaften sorgen für die Verschärfung der sozialen Unterschiede. Eine Entwicklung, die mit Sicherheit keine Rücksichten auf die Schwächsten in den Gesellschaften nimmt.


Thorntons Film ist auch ein Buddy Movie, tauchen doch in Kürzestrollen Robert Duvall und Jim Jarmusch auf.

Der für mich überraschende Independent Film verdient 4 Sterne.

Samstag, 21. Februar 2015

Birdman

Nein,  eine Überraschung ist es sicher nicht, dass Birdman neun mal Oscar nominiert ist. Und ich würde eine Bank setzen, dass Michael Keaton  für diese Rolle den Qscar auch bekommen wird. In 30 Stunden wissen wir mehr.

Doch der Film wird nicht reüssieren als bester Film. Alles in allem ist das Vexierspiel zu verwirrend. Leicht irritiert fragte ich mich ständig, um was es denn eigentlich gehe. Drama oder Komödie, das ist wirklich die Frage. Zum Lachen brachte mich der Film nicht, er machte mich eher nervös. Alleine der Gag, das Keaton sich als ehemaliger Batman selber spielt und sich hier selber aufs Korn nimmt, mag den Film nicht herausreissen. Auch der nerdige Zach Galifianackis mit seinen schier unmotivierten Auftritten gibt dem Film nicht das was eine wirklich gute Komödie ausmacht.

Bemerkenswert ist das Werk von Alejandro González Iñárritu aber schon. Er hebt sich eindeutig von allem anderen ab was 2014 in Hollywood produziert wurde. Seinen Hauptgegner im Oscar-Rennen Grand Budapest Hotel kann er aber das Wasser nicht reichen. Aber das ist ja auch eine UK/D-Produktion in Koproduktion mit den USA.

Ich belohne den Mut dieser Produktion mit 3.5 Sternen im LettervoxD-Rating.

The Gambler

Immer wenn die Story wie hier im The Gambler ölig daher kommt, bietet sich die Chance für den Zuschauer sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Ich liebe es, mir die Schauspieler in einem solchen Fall genauer anzuschauen.  Das wäre mir aus dem Stand mit Mark Wahlberg nicht in den Sinn gekommen. Er ist, nein er war bisher für mich bloss ein Schauspieler der 3. Reihe. Doch in diesem Film läuft Wahlberg zu seiner  Kunst auf. Er spielt die Rolle des Spielers auf zwielichtige Weise. Einerseits spielt er einen Literaturprofessor, der seinen desinteressierten Studierenden den Existentialismus näher bringen will und andererseits den eines Spielsüchtigen, der weder sich noch seine Sucht im Griff zu haben scheint.

Die Geschichte basiert fern auf Der Spieler von Fjodor Dostojewski und beschreibt die Leiden eines Süchtigen, der sich kaum von Blackjack lösen kann und so ziemlich alles und noch einiges mehr verspielt. Der Film ist ein Remake aus dem Jahr 1974. Kann sein, dass es solche Leidenden auch im 21. Jahrhundert noch gibt. Wäre vielleicht einmal an der Zeit eine Geschichte zu schreiben oder zu verfilmen, der sich mit neueren Spielsucht-Phänomenen auseinander setzen würde. Mit Computergames kann in der Regel nur Zeit und weniger Geld verzockt werden, Glaubwürdigkeit und Akzeptanz in der Gesellschaft aber auf jeden Fall.

Was wäre ein Zockerfilm ohne Romanze. Wenn schon gesellschaftlich abseits, dann konsequent. So lässt sich der bedrängte Gambler mit einer Studentin ein. Brie Larson gibt diese Studentin. Ein neues Gesicht für mich und eines, das man vermutlich in den nächsten Jahren öfters sehen wird.

Gambler-Typen faszinierten mich immer. Und wäre ich etwas mutiger oder leichtsinniger, mein Schicksal im entsprechenden Kontext wäre besiegelt gewesen. Vermutlich darum habe ich für diesen Film und für Wahlberg eine bestimmte Sympathie. Vielleicht weil das musikalische Outro des Films von M83 sprichwörtlich ergreifend ist:

 


Ich gebe dem Film im LetterboxD-Rating ein Like, aber für die Gesamtleistung des Films bloss 3.5 Sterne.

Freitag, 20. Februar 2015

The Company You Keep


Robert Redford produzierte, führte Regie und spielte die Hauptrolle in The Company you Keep

Der Film ist eine Parabel auf die 68er Generation. Er dreht sich um die revolutionär-kommunistischen studentischen Weathermen-Organisation. Nun erzählt uns Redford nicht die Geschichte dieser Bewegung, sondern jene der 30 Jahre lang verfolgten Aktivisten im Jahr 2007, die inzwischen mehr oder weniger ein bürgerliches Leben ausserhalb des politischen Geschehens verbringen.

Jim Grant lebt unerkannt mit als alleinerziehender Vater einer 12jährigen Tochter. Dann wird in unmittelbarer Nähe eine ehemalige Aktivistin verhaftet, was darauf schliessen liess, dass das FBI auch im nah auf den Fersen ist. So macht er sich auf die Suche nach einer Mitstreiterin, mit der er damals sehr nah liiert war und die bezeugen konnte, dass er bei einem Banküberfall mit Mordfolge nicht dabei war. Dicht auf seinen Fersen folgt im der Jungjournalist Ben Shepard, gespielt von Shia LaBeouf in einer ihm auf den Leib geschnittenen Rolle, die er für einmal mit gesetzter Zurückhaltung ausgezeichnet spielt. Er weiss immer etwas mehr als das FBI, kommt aber zum Ende nicht zu jener Story, die er meint. Dafür lernt er eine Lektion über Engagement und Politik, die sein Leben beeinflussen wird.

Die Moral von der Geschichte dieses cineastisch nicht allzu bedeutenden Films lernt uns, dass gesellschaftliche Utopien nicht von heute auf morgen in Realität umzusetzen sind. Radikalität im Denken mag zulässig sein, hingegen in der Realität wendet sie sich gegen die Akteure selber. Am Ende sind wir uns immer selber lieb. Das ist die beste Art die Welt zu verändern. In kleinen Schritten mit einem Zeithorizont von 100 Jahren. Das macht uns gelassen.

Für diese unideologische und nüchterne Analyse gebe ich Redfords Film im LetterboxD-Rating eine 3.5 mit einem Like.

Donnerstag, 12. Februar 2015

Winter's Bone

Ein Independent Movie mit einer ausgezeichneten Jennifer Lawrence in der Hauptrolle. Der Film spielt irgendwo im mittleren Westen der USA, wo die Zivilisation vermutlich noch nie wirklich vorbeigekommen ist, hingegen der Familienterror das tägliche Überleben zum reinen Glückspiel macht. Doch die Unwirtlichkeit und die Armut durchdringt jede Szene dieses Films. Und er zeigt wie ein junges Mädchen zur starken Frau reift, weil ihr das Leben keine andere Chance lässt.

Weit abseits von Hollywood gibt es im amerikanischen Film immer wieder starke dokumentarische Fiktionsfilme, die einem bewusst machen, wie die USA ausserhalb der Grossstädte wirklich sind. Und vor allem wie sie sind, nach der andauernden Wirtschaftskrise, die der einfachen Bevölkerung nur noch ein Leben als Gesetzlose ermöglicht.

Für die subtile und sensible Machart des Filmes und des bemerkenswerte Spiel von Jennifer Lawrence gebe ich ein LetterboxD-Rating von 4 Sterrnen.

Freitag, 6. Februar 2015

Gone Girl

Der Film "Gone Girl" ist die Adaption des Buchbestsellers von Gillian Flynn. Das Buch allerdings beginnt etwas tranig und weil es noch ein ziemlich dicker Schunken ist, kam ich nicht über die ersten 50 Seiten hinaus. Weil Ben Affleck dann auch noch die Hauptolle spielt, zugegeben, ich mag diesen Schauspieler nicht besonders, mochte ich mich nicht ins Kino bewegen. Aber ich liess den Film auf meinem Screen, weil ich aus Prinzip keinen David Fincher Film verpassen will. Einer der besten und solidesten Filmregisseuren der Gegenwart.

Und wenn einer aus diesem Material etwas besonderes machen kann, dann sicher er. Und ich wurde nicht enttäuscht. Dieser Krimi ist einer der besten seit langem. Auf der Basis kleinbürgerlich weisser Mittelschicht entwickelt sich der Erzähl- und Spannungsbogen bis man die eigenen Nerven flittern hört. Und weil ich den Verlauf und Ausgang der Geschichte nicht kannte, hatte ich keine Chance nur einen Augenblick meine Augen vom wirklich guten Spiel der beiden Akteuren Rosamunde Pike und Ben Affleck und der glatten und Situation angepassten Inszenierung zu nehmen.

Ja, Affleck spielte gut, blieb immer glaubwürdig und blieb bis zum Schluss undurchschaubar. Und Pike machte ihre Sache so gut, dass man gar nicht glauben mag, dass sie nicht ist was sie spielt. Mehr will ich nicht verraten. Denn diesen Film sollte man schauen ohne zu wissen, welche Wendungen die Geschichte nimmt und wie sie ausgeht. Die Spannung ist mehr als die halbe Miete.

Mein LetterboxD-Rating: 4-Sterne und ein Like.

Freitag, 16. Januar 2015

The Imitation Game

The Imitation Game ist in kleiner, britischer Film mit einem geschätzten Budget von 14 Mio.$, das bereits am Eröffnungswochenende in den USA alleine zur Hälfte wieder eingespielt wurde. Weltweit spielte der Film bis am 10 Januar 66.5 Mio. ein. Mehr als 50 Mio. davon in den USA. Ein Phänomen also.

Doch der Film verdient diesen Zuspruch. Es ist ein unprätentiöses Bio-Pic über Alen Turing, einen frühen Computerwissenschaftler, gespielt vom formidablen Benedict Cumberpatch, den man hierzulande als Sherlock-Holmes-Darsteller kennt.

Die Geschichte schildert einerseits die Bemühungen der Engländer während des 2. Weltkrieges den als unknackbar geltenden Code der Deutschen namens "Enigma" zu knacken und andererseits die Konflikte des schwulen Turing in einer knochenharten britischen, militärischen Gesellschaft, die Männersex weder duldete noch darüber sprach.
Um die Leiden Turings nachvollziehbar zu machen, liessen sich die Filmemacher etwas ganz Spezielles einfallen. Sie stellten Cumberpatch die betörende Keira Knightley gegenüber, die sich in ihn verliebte, aber irgendwie er sich auch in sie. Erst im Ansatz des Vollzugs der Ehe gestand der Frischverheiratete seiner Angetrauten, dass da nichts bei ihm lief und laufen könne. Trotzdem hält sie zu ihm und schützt ihn vor der Gesellschaft so gut sie halt kann. Der Code wird selbstverständlich gehackt und damit der Krieg vermutlich verkürzt. Weitere Opfer konnten vermieden werden. Turing selber fand keinen Frieden. Neun Jahre nach Kriegsende und einer Verurteilung wegen Perversion, fand man ihn tot am Boden liegen. Neben ihm einen mit Cyanid vergifteten, halb gegessenen Apfel.

Mein LetterboxD-Rating: 4-Sterne und ein Like.

Sonntag, 4. Januar 2015

Nightcrawler

Dass sich Jake Gyllenhaal auf diesen kleinen Film Nightcrawler eingelassen hat, rechne ich ihm hoch an. Eigentlich ist es ein typischer Independent Film mit einer typischen Independent Film Geschichte.


Ein zunehmend skrupellos werdender VJ sucht die blutrünstige Story auf den Strassen von L.A., egael was sie ihn und vor allem andere kostet. Nur, um seine eigene Karriere vorwärts zu pushen und Kohle zu machen, geht der Mann sprichwörtlich über Leichen.
Eigentlich sehen wir keinen Fictionfilm, sondern eine Dokumentation einer Realität in der sich heute das Mediengeschehen abspielt. Eine einzige Suche nach der nächsten Aufregung, um die gelangweilten Gesellschaften zu unterhalten. Gyllenhaal spielt die Rolle überzeugend. Am Schluss des Films mag man ihn, die Figur, die Gyllenhasl darstellt, gar nicht mehr. Ein Widerling wie ihn nur eine zynische Gesellschaft hervorbringen kann.



Der Film hat 4 Sterne verdient. Und die Empfehlung, ihn an jeder Journalistenschule zum Pflichtstoff zu erklären.

Montag, 15. Dezember 2014

The Judge

The Judge ist ein Kammerspiel mit Robert Duvall und Robert Downey jr. in den Hauptrollen.

Duvall, ein grimmiger und desillusionierter, pensionierter Richter mit Vergangenheit und ein Downey als dessen Sohn, der aus dem Schatten seines Vaters mit tadeliger Moral getreten ist, ohne genau die Umrisse des Schattens seines Vaters verstanden zu haben. Entsprechen gereizt und überspannt ist das Verhältnis der beiden und spitzt sich zu, bis alles auf den Tisch kommt, was bisher unter dem Teppich unter dem Tisch gekehrt war.

Die Geschichte ist spannend und die Rollenträger sind nicht was sie auf Anhieb zu sein scheinen.

Duvall ist in seinem Rollenspiel unkorrumpierbar, während Downey manchen wie nicht geschaffen zu sein scheint für eine derartige Charakterolle wie sie hier sicher vorgesehen wäre. Es ist halt schon so, Mainstream-Action-Hero-Darsteller zu sein hat seinen Preis. Der Anwalt in dieser Geschichte ist halt auch einfach ein Ironman, wenn er auch nie zum Fliegen kommt. Downey wird sich schon bald entscheiden müssen, in welchem Fach er alt werden will.


Der Film ist in sich nicht wirklich konsistent und wirkt auf manchen Strecken gedehnt. Deshalb bekommt er von mir nur 3.5 Sterne.

Donnerstag, 18. September 2014

Der Kreis

Der Kreis ist der einzige Schweizer Film im Jahr 2014, den ich gesehen habe. Ein gelungener Film zwischen Dokumentation und Fiktion über die Geschichte einer schwulen Männerbeziehung in einer Zeit, in der solche Beziehungen nicht nur in der Schweiz als Verbrechen empfunden und behandelt wurden.

Der Film schildert die Hintergründe, vor der zwei Männer unterschiedlicher Herkunft und Erziehung versuchen in eine Beziehung zu kommen und Liebe zuzulassen. Die Männer sind Ernst Ostertag und Röbi Rapp, die später als erstes verheiratetes schwules Paar in der Schweiz bekannt wurden und bis zum heutigen Tag ein Paar sind. Sie treten dann auch als Zeitzeugen im dokumentarischen teil des Filmes auf.

Was den Film eindrücklich macht, ist die dokumentarische Dichte der Fakten über die 50er und 60er Jahre in der liberalen Schweiz. Von liberal war allerdings wenig zu spüren in der damaligen protestantischen Zwinglistadt Zürich.

Ich belohne den Film von Stefan Haupt für seinen Mut und sein Fingerspitzengefühl Fiktion und Dokumentation ineinander fliessen zu lassen mit viel Respekt. Hier ist eine Kunst zu sehen, von der man sich wünschen würde, sie würde weiter gepflegt.

Mein LetterboxD-Rating: 4 Sterne.

Nachtrag:

Heute (25. Februar 2015) meldet Urs Frey, einer der Partner der Contrast Film, dass es ihnen gelungen sei, "Der Kreis" Netfilx zur Distribution zu überlassen. Das ist ein sensationeller Erfolg nun auch auf der wirtschaftlichen Ebene. Herzliche Gratulation an alle  Beteiligten!



Mittwoch, 27. August 2014

Gone Baby Gone

Ben Affleck nimmt uns in Gone Baby Gone in den Arbeitervorort Dorchester bei Boston mit. Amerikaner sind der Meinung, dass es in den USA keine Slums gäbe. Ich aber habe solche in der South Bronx, auf den Keys und in Los Angeles gesehen. Sie unterscheiden sich unerheblich von jenen in Westafrika, die ich zum Beispiel in Ghana mehrfach besucht habe. Die Geschichte basiert auf einer Novelle von Dennis Lehane gleichen Namens wie der Film.

Nun, in Afflecks Film geht es nicht um Slums. Es geht um das 4 Jahre alte Mädchen
Amanda McCready, das man der Junkymutter aus den Armen gerissen hat und es versteckt. Der Mutter ist das so ziemlich egal, auch wenn sie vor der Medienmeute so tut als ob sie entsetzlich verzweifelt wäre. Es interessiert sie eigentlich nur, wie man aus der Katastrophe Kaüitl schlagen könnte. Doch das tun andere auch und zwar solche, von denen man es eher weniger erwartet. Nicht nur Ed Harris spielt als Polizist eine zwielichtige Rolle, sondern auch aus Morgan Freeman wird man sehr lange nicht schlau.

Die ganze Geschichte ist eine einzige Intrige, die in einer solchen Dichte eben nur in Gesellschaften möglich ist, die auf engem Raum den täglichen Horror der absoluten Armut und Perspektivenlosigkeit organisiert.
Affleck schafft es in seinem Erstling als Feature-Film-Regiesseur die allumfassende Beengtheit und Desillusionierung der irisch-afro-amerikanischen Community in einer dichten Geschichte darzulegen. American way of life ist das nicht.

Für diese Arbeit gebe ich 3.5 Sterne.

Dienstag, 5. August 2014

Flags from our Fathers

Der von Clint Eastwood und Steven Spielberg produzierte Anti-Kriegsfilm zeigt die Verlogenheit der Mächtigen, die Sinnlosigkeit des Krieges und die Unentrinnbarkeit der betroffenen Menschen schonungslos.

Flags of our Father erzählt die Geschichte der sechs Männer, die auf dem Bild abgebildet sind, das zur Ikonografie der USA gehört.

Eastwood, der neben der Regie auch für die Musik verantwortlich in diesem Film zeichnet, versteht es in eindringlichen Bildern und einer schier unerträglichen Geschichte die Hilflosigkeit ganz normaler Männer darzustellen. Männer, denen es nicht zumute ist als Helden gefeiert zu werden. Männer, die nach geschlagener Schlacht von der Politik dazu missbraucht werden, für Kriegsanleihen bei der Bevölkerung zu werben, um diesen elenden Krieg zu verlängern. Nachdem sie dem Morden entkommen sind, werden sie auf die Schlachtbank der sensationsgierigen Meute geführt. Das persönliche Schicksal wird dabei erstickt und die geschundenen Seelen zum Lachen gezwungen. Alles auf Befehl und alles ohne jede Rechtfertigung.

Ein wahrhafter Film von einem Eastwood, der sich nicht immer von der gerechten Seite und der richtigen Sache zeigt. Vielleicht muss man einen der ersten Sätze im Film auf ihn beziehen: oft sind die Menschen nicht das wofür man sie hält.

Ich gebe dem Film 4-Sterne.